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Hasibe A.

Dies ist die Geschichte von Hasibe:

gesprochen von Sarah Jentsch:

 

Mein Leben mit der Duldung

Ich bin Hasibe. Ich bim am 04. November 1993 in Essen-Borbeck geboren. Seit meiner Geburt in Deutschland habe ich nur eine Duldung!

Es hat nicht lange gedauert, bis ich gemerkt habe das ich nicht wie alle anderen Kinder mein Leben ausleben darf. In der Schule durfte ich an keinen Klassenfahrten teilnehmen. Ein Schüler-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr bekam ich auch nicht aufgrund meiner Duldung. Dann hatte ich lange Probleme, einem Führerschein zu machen. Mit der Duldung war auch das nicht einfach. Alles was für andere Jugendliche selbstverständlich und normal war, war für mich mit meiner Duldung IMMER und ÜBERALL ein großer Hindernis. Bei jeden Schritt und bei jeder Entscheidung steht die Duldung im Weg. Selbst bei meiner Abschlussprüfung zur Pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten wurde mein Ausweis verlangt. Nur mit Hilfe und Bestätigung meiner Lehrerin wurde ich in die Prüfung gelassen. Zurzeit arbeite ich in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis in der Bahnhof Apotheke in Essen-Borbeck.

Das Schlimmste, was ich selbst miterlebt habe, ist der Polizeieinsatz mitten in der Nacht zwecks Abschiebung meiner Mutter in ein fremdes Land. Seit dem Tag, am 11. Juli 2017, ist meine ganze Familie traumatisiert. Unser Leben hat sich komplett verändert. Die Behörde hat unser ganzes Leben auf dem Kopf gestellt. Sie wollen meine Mutter nach 30 Jahren in Deutschland in ein fremdes Land abschieben! Meine Mutter ist 67 Jahre alt und sehr krank. Sie ist auf meine Pflege angewiesen. Sie kann nicht alleine für sich sorgen. Die Familie ist ihr einziger Lebensinhalt. Und das will man ihr wegnehmen.

Wer verantwortet so ein unmenschliches Verhalten?

Es verfolgt mich mein Leben lang! Ich fühle mich von Deutschland vernachlässigt.

  • Ich durfte an keinen Klassenfahrten teilzunehmen
  • Ein Schüler-Ticket wurde mir verwehrt
  • Ich dürfte zunächst keinen Führerschein machen
  • Es war sehr schwer für mich, eine Arbeit zu bekommen
  • Ich darf mich nicht außerhalb von NRW bewegen
  • Nicht mal ins Nachbarland Holland darf ich fahren
  • Ich darf aus Essen nicht wegziehen
  • Mit der Duldung ist eine standesamtliche Heirat nicht erlaubt
  • Eigentum ist nicht erlaubt
  • Selbstständigkeit ist nicht erlaubt
  • Kredit aufnehmen ist auch nicht erlaubt
  • Ein Urlaub außerhalb NRW's ist mir auch nicht möglich

Wenn ich eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in Deutschland hätte, dann würde ich mich mehr wie ein Mensch fühlen. Ich könnte mit Stolz sagen, dass ich eine Deutsche bin einen deutschen Pass habe. Ich könnte an den Bundestagswahlen teilnehmen. Ich könnte endlich die Welt mit meinen Augen sehen und nicht nur im Fernseher. Ich wäre FREI. Ich würde mir neue Ziele setzen wie z.b Studieren.

Was ich mir wünsche:

  • Als Deutsche anerkannt zu werden
  • Frei Leben
  • Ein Leben ohne Angst
  • Die Länder außerhalb NRW's mit eigenen Augen sehen  zu dürfen
  • Langfristigen Aufenthaltsstatus, einen deutschen Pass

Die Fehler meiner Vorfahren halten mich davon ab meine Ziele zu erreichen. Die Ausländerbehörde in Essen macht mir mein Leben schwer. Ich muss das Fehlverhalten meiner Vorfahren ausbaden. Ich werde dafür bestraft, was meine Vorfahren gemacht haben. WARUM? Ich bin doch für MEIN Leben und für MEIN Handeln verantwortlich und nicht für das Handeln Anderer.

Zum Erreichen meiner Ziele würde ich mir mehr Menschlichkeit und Unterstützung von den Behörden wünschen.

Die Behörde guckt nur auf Gesetze und Paragrafen und die Menschlichkeit wird vergessen.

Ich zahle seit 5 Jahren in die Sozialkassen, kann aber nicht mit entscheiden was damit geschieht. Außerdem wird mir meine Arbeitszeit nicht angerechnet.

Ich kann kein gleichberechtigtes Mitglied der Gesellschaft sein,  da ich durch mein Aufenthaltsstatus (meiner Duldung) ausgegrenzt bin.

Hasibe